Geschichte Wassertalbahn

Die auf deutsch auch „Wassertalbahn“ bezeichnete Waldbahn von Viseu de Sus, ganz im Norden Rumäniens an der ukrainischen Grenze gelegen, ist eine einzigartiges technisches Kulturgut: Auf einem Streckennetz von knapp 60 Kilometer Länge verkehren – neben Dieselloks – bis heute holzbefeuerte Dampflokomotiven, womit die CFF Viseu de Sus (rumänische Abkürzung für Caile Ferate Forestiere) weltweit wohl die letzte echte Waldbahn mit Dampfbetrieb darstellt.

Die in der österreichisch-ungarischen „Einheitsspurweite“ von 760mm erbaute Strecke führt kurvenreich, über Brücken und Tunnels, entlang dem Wasserfluss durch ein wildromantisches Karpatental. Die Bahn erschliesst ein riesiges Waldgebiet, wo weder Strassen noch Dörfer, dafür aber Bär und Wolf heimisch sind.

Die Nutzung des Holzreichtums im Wassertal begann erst Anfang des 18.Jahrhunderts unter Österreich-Ungarn. Deutschsprechende Kolonisten erschlossen die Urwälder und flössten das geschlagene Holz auf dem Wasser hinunter nach Viseu de Sus, in die Sägewerke.

1932 begann man mit dem Bau der Waldbahn, die gegenüber der Flösserei ein enormer technischer Fortschritt bedeutete.

Waldbahnen waren damals in Europa weit verbreitet, besonders im Karpatenraum. Ihr Funktionsprinzip war einfach: nötigenfalls mit engen Kurvenradien (deshalb die schmale Spurweite!) folgten sie den Wasserläufen; so angelegt, dass die leeren Holztrucks von den kleinen Loks bergauf, die schwer beladenen Züge hingegen bergab ins nächste Sägewerk rollen konnten.

In den meisten europäischen Ländern spätestens nach 1945 durch Forststrassen ersetzt, hielten sich in Rumänien die Waldbahnen sehr lange: 1970 betrieb die staatliche Forstverwaltung noch über 3000 Streckenkilometer, bis 1986 fertigte Rumänien sogar noch neue Waldbahn-Dampfloks, und 1989 gab es immer noch über 15 Waldbahnen mit knapp 1000 Kilometer Gleis.

Die wirtschaftlichen Veränderungen nach 1990 wirkten sich auf die ehemals staatlichen Waldbahnen „CFF“ verheerend aus: Innerhalb weniger Jahren wurden alle stillgelegt, abgebaut, Loks und Wagen verschrottet oder verkauft. Eine einzige Bahn fährt heute noch – die Wassertalbahn. Und erfüllt bis heute ihren ursprünglichen Zweck als ökonomisches Transportmittel für Rundholz.

Der Bahnbetrieb wird seit 2003 durch das private rumänische Unternehmen R.G.Holz Company durchgeführt, dem auch das Depotgelände und die meisten Lokomotiven und Wagen gehören. Nach wie vor in Staatsbesitz sind die Bahnstrecke und ein Grossteil der Wälder im Wassertal.

Seit dem Jahre 2000 bekommt die Waldbahn auch Unterstützung aus dem Ausland, durch den Verein „Hilfe für die Wassertalbahn“. Mit schweizerischer Hilfe wurden u.a. abgestellte Dampfloks in Betrieb genommen, neue Personenwagen beschafft, das Lokomotivdepot und das historische Bahnhofsgebäude restauriert. Rund um den Bahnhof in Viseu de Sus entsteht neuerdings eine Infrastruktur, die dem zunehmenden Tourismus Rechnung trägt.

Seit 2005 verkehren für die Besucher fahrplanmässige, von Dampfloks gezogene Personenzüge, und seit 2007 steht das Wassertal als Teil des Naturparks „Muntii Maramuresului“ unter europäischem Schutz.

Noch hat es die Wassertalbahn nicht ganz geschafft, noch steht sichtlich vieles im Argen. Aber die wunderschöne Bahn hat heute viele Freunde in der ganzen Welt, und es werden immer mehr. Die letzte Waldbahn Rumäniens hat, nicht zuletzt dank dem Tourismus, eine Zukunft